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Hamsterkäufe und Ernährungsverhalten in Zeiten von Corona

Hamsterkäufe?!

Nachrichten von leergekauften Tiefkühltruhen führten teilweise zu konfliktbeladenen Situationen. Vor allem in den ersten Wochen von Corona waren Hamsterkäufe scheinbar besonders stark ausgeprägt. Dabei landeten hauptsächlich haltbare Lebensmittel, wie Tiefkühlprodukte, Fertiggerichte, Mehl, Reis und H-Milch im Einkaufswagen. Spitzenreiter waren Nudeln und Konserven.

Allerdings ergab eine Umfrage an 2500 Personen des Marktforschungsunternehmens Appinio, dass die Mehrheit der Deutschen (rund 60%) in dieser Zeit nicht gehamstert hat.1 Nach nur wenigen Wochen waren die leeren Regale dank abflauender Krisensituation und dem stetigen Nachschub der Lebensmittelindustrie wieder passé, sodass sich schnell wieder Zufriedenheit beim Verbraucher eingestellt hat. 

Der Ernährungsreport 2020 – was hat sich am Ernährungs- und Kaufverhalten in der ersten Zeit von Corona geändert?

Doch was die Verbraucher in dieser Zeit gehamstert haben, legt den Verdacht nahe, dass viele Deutsche in dieser Zeit andere Lebensmittel als gewohnt eingekauft und sich eher ungesund ernährt haben. 2 Stimmt das? 

Der Ernährungsreport 2020 hat die Auswirkungen der Corona Krise in Zahlen erfasst und spiegelt so das veränderte Ess- und Kaufverhalten der Verbraucher in dieser Zeit wieder. Der Ernährungsreport ist eine jährlich durchgeführte repräsentative Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Für den diesjährigen Ernährungsreport wurden 1000 Personen zwischen Dezember 2019 und Januar 2020 in Deutschland zu ihrem Ess- und Kaufverhalten befragt. Zusätzlich gab es eine weitere Umfrage im April. Bei dieser wurden die Auswirkungen der Corona Krise erfasst: 3

  • 30% der Befragten gaben an, in dieser Zeit häufiger gekocht zu haben als vor der Krise. 4 Dabei begründeten mehr als die Hälfte von ihnen diesen Umstand mit dem mehr an Zeit, dass sie beispielsweise durch Homeoffice zur Verfügung hatten. Ein weiterer Grund für die gestiegene Bereitschaft zum Kochen waren geschlossene Restaurants. 2

  • 20% bzw. 39% der Befragten bestätigten, dass sie beim Einkauf sowohl frische Lebensmittel wählten als auch auf die landwirtschaftliche Herkunft dieser achteten. 4,5

  • Nur 7% verwendeten häufiger Fertigprodukte als vor der Pandemie.5

  • 28% der Befragten nahmen ihre Mahlzeiten häufiger gemeinsam mit der Familie, den Angehörigen oder den Mitbewohnern ein.5

  • 21% der Befragten gaben an, häufiger einen Lieferdienst in Anspruch genommen zu haben. 3,4

Kochen in Corona-Zeiten

All diese Zahlen erwecken den Anschein, dass die Deutschen in der Corona-Krise mehr Zeit fürs Kochen mit frischen Zutaten aufgewendet haben. Auch ein Blick in die sozialen Netzwerke legt nahe, dass viele Menschen im Lockdown viel Zeit in der Küche verbracht haben müssen. Denn es häufen sich gestylte Fotos von selbst zubereiteten Gerichten. Kochen scheint daher nie so beliebt wie während der Krise und es entsteht der Eindruck, dass Selbstgemachtes im Trend liegt.6

Am Rande: Wie sieht es eigentlich mit dem Fleischkonsum der Deutschen aus?

Der Ernährungsreport erfasst auch den Fleischkonsum der Deutschen. In den letzten Jahren ist die Massentierhaltung in Deutschland immer mehr in die Kritik geraten, vor allem aufgrund tierquälender Haltungsbedingungen und dem hohen Antibiotika-Einsatz. Dieser Umstand führt zu einem stetigen Rückgang des Fleischkonsums und zur Forderung für mehr Tierwohl, wie es z.B. mit einem staatlichen Tierwohl-Label umzusetzen wäre:

  • 55% der Befragten bezeichneten sich als Flexitarier, jeweils 5% gaben an sich vegan bzw. vegetarisch zu ernähren.5

  • 81% der Befragten sprachen sich für ein staatliches Tierwohllabel aus. Verbraucher würden demnach einen höheren Preis für mehr Tierwohl zahlen.5

Fazit

Der Anfang der Corona Pandemie war für nahezu alle Menschen eine gravierende Umstellung in ihrem Lebensalltag, was sich auch in ihrem Ernährungs- und Kaufverhalten deutlich wurde.

Auch wenn die Zahlen des Ernährungsreports und anderer Umfragen für eine Erhöhung der Häufigkeit des Kochens und für eine bewusstere Auswahl der Zutaten sprechen, so zeigt sich jedoch, dass Umfragen häufig nur ein Teil der Realität abbilden. Es kommt hinzu, dass manche Fragen teilweise auch mit einer Art Wunschdenken beantwortet werden. Diese sogenannte soziale Erwünschtheit wird vor allem beim Fleischkonsum deutlich: Zwar geben mit jedem Jahr immer mehr Menschen an vegetarisch, vegan oder flexitarisch zu leben, doch von 2000 bis 2019 ist die Menge an verzehrtem Fleisch pro Kopf nahezu konstant geblieben.7

 

Einzelnachweise:

https://www.bve-online.de/themen/nachschubfuersregal/coronavirus-appinio-versorgung-ernaehrungsindustrie

https://bnn.de/nachrichten/suedwestecho/coronavirus-karlsruhe-baden-pforzheim-rastatt/viele-deutsche-essen-waehrend-corona-pandemie-gesuender-als-vorher

https://www.tagesschau.de/inland/ernaehrungsreport-deutschland-101.html

https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/bmel-ernaehrungsreport-2020-1756644

https://www.zeit.de/wissen/2020-05/ernaehrungsreport-2020-coronavirus-ernaehrungsgewohnheiten-selbstgekochtes

6 https://die-webzeitung.de/stuttgart/2020/05/18/gesundheit-wie-veraendert-die-krise-das-koch-und-essverhalten/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/36573/umfrage/pro-kopf-verbrauch-von-fleisch-in-deutschland-seit-2000/

 

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